Rennbericht Swiss Epic 12. – 17. September 2016 von Benno Heussi

von / Montag, 26 September 2016 / Veröffentlicht inBlog

Mit dem Swiss Epic stand zum Ende der Saison mein absoluter Höhepunkt an. Ich freute mich riesig auf das Rennen. Im Vorjahr bei meiner Premiere an einem Etappenrennen hätte es nicht besser laufen können und wir finishten beinahe in den Top 20. Dementsprechend war die Anspannung im Vorfeld sehr gross, obwohl unser Hauptziel „mit Spass durch die Woche auf den besten Trails fahren“ kein Rangziel beinhaltete. Ich absolvierte dieses Rennen wieder mit meinem langjährigen Bikekollegen Oliver Schär. Letztes Jahr harmonierten wir super, dies sollte sich auch dieses Jahr bewähren. Mit Olympiasieger und Weltmeister Schurter, der BMC Armada um Flückiger und Indergand, mit dem Team Centurion Vaude dem besten Marathon Team der Welt, dem Marathonweltmeister Lakata, den Legenden Hermida, Sauser, Frischknecht und weiteren sehr hochkarätigen Teams / Fahrer war das Rennen unglaublich stark besetzt. Wir freuten uns in einem Weltklassefeld starten zu können, wussten aber dass eine Top 30 Klassierung doch sehr schwierig werden würde.

Prolog Zermatt 26 km +500 m, -2000 m

Der Prolog startete auf dem Zermatter Rothorn von 3100 m ü. M. und führte hinunter zum Sunnegga, nach mehreren giftigen Gegenanstiegen und tollen Abfahrten erreichte man das Ziel in Zermatt im Dorfzentrum. Die Stimmung in Zermatt ist immer einmalig und die Sicht auf das atemberaubende Matterhorn und die umliegenden 4‘000 er Berge atemberaubend. Vor einer grossartigen Bergkulisse begann unser Rennen nach dem Mittag. Unsere Taktik war im ersten Teil sehr vorsichtig zu fahren und keine Risiken einzugehen. Diese Taktik ging super auf, Oli fuhr eine saubere sichere Linie vor und wir kamen zügig voran und dies sturz- und defektfrei. Nach etwas mehr als eine Stunde auf den tollen Trails erreichten wir das Ziel auf dem 30. Rang in der Hauptkategorie Men. Damit waren wir sehr zufrieden, die vielen Rahmenbrüche und Stürze bestätigten, dass wir auf die richtige Taktik gesetzt hatten.

Zermatt – Leukerbad 95 km 2900 Hm

Mit der ersten langen Etappe ging das Rennen richtig los. Bei wunderschönem Wetter wurden wir um 8.00 Uhr auf den langen Renntag geschickt. Ich fühlte mich sehr gut und nach einem dosierten Start konnten Oli und ich im bereits langgezogenen Feld etliche Plätze gut machen. Es folgte nach einem kurzen Aufstieg eine lange schnelle Abfahrt in Richtung Stalden. Wir erwischten einen schnellen Zug und konnten uns in der Gruppe festsetzen. Die staubigen Bedingungen erforderten höchste Vorsicht beim Fahren in der Gruppe. Nach der ersten Verpflegung folgte der erste lange Anstieg zur Moosalp. Bis Törbel konnten wir auf der Strasse fahren, wir fanden einen guten Rhythmus, anschliessend war der zweite Teil bis zur Moosalp sehr kräfteraubend, da waren wir definitiv angekommen im Rennen – Epic Modus wie immer im Wallis. Nach der zweiten Verpflegung folgte eine extrem lange Abfahrt bis zum Talboden vor Leuk. Sie machte sehr viel Spass und war Mountainbiken pur. Mit unseren Fullys mit 120 mm Federweg und absenkbarer Sattelstütze hatten wir das perfekte Setup. Es folgte der letzte lange Aufstieg hinauf ins Ziel nach Leukerbad. Nach einem guten Start in den Berg bekam ich plötzlich sehr starke Probleme, die brütende Hitze setzte mir sehr zu. Mein Magen wollte nicht mehr so richtig und ich fühlte mich immer kraftloser. Bei der letzten Verpflegung drehte es mir fast den Magen um, doch ich dosierte richtig und Oli fuhr ein gutes dosiertes Tempo vor. Schleppend kam ich den Berg hoch, doch im letzten Viertel fühlte ich mich endlich wieder ein bisschen besser und so erreichten wir doch noch den 29. Tagesrang. Wir verloren in der Phase als ich stark wankte keine Plätze, dies zeigt wie hart dieses Rennen ist, das Feld wird extrem auseinandergezogen. Nach dem harten Tag versuchte ich mich so gut wie es ging zu erholen und munterte mich auf. Hierbei waren die Erfahrungen vom letzten Jahr Gold wert. Ich wusste, nach einem schlechten Tag kann sehr schnell wieder ein sehr guter folgen.

  1. Etappe Rinderhütte – Leukerbad 43 km +1500 m – 2400 m

Einen Tag vor der Königsetappe stand eine kürzere Stage an. Sie startete nach einer Bahnfahrt von der Rinderhütte und führte von dort runter ins Tal nach Leuk und anschliessend hoch nach Leukerbad. Da in umgekehrter Reihenfolge des Klassements gestartet wurde, waren wir erst am Nachmittag an der Reihe. Der erste Teil der Abfahrt führte über den Flowtrail. Oli fuhr super stark in diesem Part und ich hatte Mühe in das Rennen zu kommen. Eine lange Abfahrt nach dem Start ist doch sehr ungewohnt. Nach einer kurzen Gegensteigung folgte die lange sehr technische Abfahrt ins Tal. Wir fuhren sehr sauber und schnell. So konnten wir sehr viele vor uns gestartete Teams ein- und überholen. Wir hatten riesig Spass und knallten den Berg runter. Im Flachstück versuchten wir uns für den steilen Schlussaufstieg ein bisschen zu schonen. Bei der Verpflegung am Fusse der Steigung versuchte ich mich so gut es ging zu kühlen, der Respekt vor der Hitze war wieder sehr gross. Es folgte im unteren Drittel ein sehr steiler Aufstieg, ich fand einen guten Tritt und fühlte mich viel besser als am Vortag. Oli blieb immer super dran und pushte in den technischen Zwischenpassagen, so erreichten wir das Ziel wieder auf dem soliden 29. Rang.

  1. Etappe Leukerbad – Verbier 96 km 3000 Hm

Am Tag der Königsetappe war unser Respekt vor dem Tag sehr gross. Die unsichere Wetterlage verstärkte dies noch. Ich fühlte mich bei den föhnigen Bedingungen am Start überhaupt nicht gut. Im Startaufstieg lief es aber erstaunlich gut, die folgende Laufpassage entlang der Felsen war sehr eindrücklich. Die folgende Abfahrt bot wieder grandiose Trails, unten im Talboden setzte der Regen ein und mir setzte die Kälte zu. Meine Motivation war auch schon höher und als Oli noch die Dichtungen seiner Gabel bei einem Durchschlag ramponierte, mussten wir uns gut zureden. Oli konnte in der Service Station die Gabel behelfsmässig zügig reparieren und entlang den Suonen versuchten wir nicht auf Krawall zu fahren und Energie zu sparen. Es folge ein langes Flachstück entlang der Rhone, wir erwischten zum Glück eine Gruppe und in ICE Tempo ging es Richtung französisch sprechende Schweiz. Der Mann des führenden Mixed Teams schlug ein horrendes Tempo an und wir alle hatten hinten Mühe im Windschatten das Tempo zu halten- unglaublich. Nach der zweiten Verpflegung folgte der 1800 Hm Anstieg zum Croix de Coeur. Das untere Drittel war wieder extrem steil und in einzelnen Rampen musste man sich sogar konzentrieren auf dem Rad zu bleiben so steil war es. Meine Motivation heiterte aber auf und ich fühlte mich zunehmend besser. Zum Glück gab es zwischendurch einzelne flachere Passagen, denn 1800 Hm sind extrem lang. Als wir nach einer Ewigkeit die letzte Verpflegung erreichten hatten wir immer noch 700 Hm vor uns. Wir konnten ab da mit Lisi Osl und Anne Terpstra vom Ghost Team fahren und Lisi zog uns richtig den Berg hoch. Die lustigen Unterhaltungen lenkten zeitweise von der Qual ab. So erreichten wir doch in einem ansprechenden Zustand die Passhöhe. Oli konnte dann trotz ramponierter Gabel Olympiateilnehmerin Terpstra in der Abfahrt folgen. Ein fieser Gegenanstieg führte in die letzte Schlussabfahrt und wir freuten uns über Rang 27.

 

 

  1. Etappe Verbier – Verbier 62 km 2600 Hm

Meine Beine erholten sich gut von der Königsetappe und wir standen wieder einigermassen frisch an der Startlinie in Verbier. Die Temperaturen hatten merklich abgekühlt und der Regen führte zu einem glitschigen Untergrund. Nach dem Startaufstieg konnten wir uns gut positionieren, in der tückischen Abfahrt blieben wir im Sattel und auch ausgerissene Esel konnten uns im Trail nicht bremsen. Im coupierten Zwischenstück schloss ich mit einem Kraftakt die Lücke zu Esther Süss und Hielke Elferink. So hiess unsere Lokomotive für den Hauptanstieg heute Esther Süss. Sie schlug eine sehr hohe Pace an und wir dahinter waren alle am Limit. Der Anstieg war endlos und sehr zäh. Im oberen Drittel war die Verpflegung und da musste Oli seine Gabel wieder aufpumpen. So verloren wir den Anschluss und fuhren alleine weiter. Auf dem Kulminationspunkt folgte ein sehr anspruchsvoller Trail mit giftigen Gegenanstiegen bei sehr ungemütlichen Wetterbedingungen. Wir fühlten uns aber gut und die Abfahrt gelang bis 500 m vor dem Talboden einwandfrei. Da erwischte es uns mit einem Hinterraddefekt bei Oli. Wir setzten einen Plug und waren schnell wieder unterwegs. Es wartete noch ein steiler Schlussaufstieg im Regen. Ich fühlte mich super und Oli biss sich an meinem Hinterrad fest. 1 km vor dem Ziel folgte noch eine richtig fiese Rampe ich konnte voll durchziehen und wartete oben auf Oli, wir harmonierten wieder super und erreichten trotz Defekt den 27. Rang.

  1. Etappe Verbier – Verbier 38 km 1800 Hm

Es stand bereits die Schlussetappe auf dem Programm. Es regnete wieder und hatte noch einmal merklich abgekühlt. Wir fuhren aber super im ersten langen Aufstieg und konnten uns in die Gruppe von Jolanda Neff und dem führenden Masterteam vorarbeiten. Mit unseren Kollegen Sebi und Roli nahmen wir die Abfahrt in Angriff, dahinter drückte Jolanda und Alessandra mächtig. Nach der Verpflegung fühlte ich mich wieder sehr gut und die Beine drehten ordentlich. Wir konnten im langen Anstieg uns sogar vom führenden Damenteam absetzen. In der zweitletzten Abfahrt hatte ich meinen ersten Sturz, es passierte aber nichts so mahnte ich mich auch die letzten 10 km konzentriert in Angriff zu nehmen. Wir konnten noch einmal richtig pushen und die Downhillstrecke in Richtung Verbier geniessen. So erreichten wir den tollen 24. Tagesrang.

Mit diesen Resultaten konnten wir den ausgezeichneten 26. Rang in der Kategorie Men einfahren. Nimmt man das Team Micarna (Fahrerwechsel unter der Woche) noch aus der Wertung ist es ein Top 25 Resultat. Wir hätten nie gedacht so weit vorne zu landen, mit unserer Leistung waren wir das fünftbeste Amateurteam an einem der härtesten Etappenrennen. Ich war überglücklich und stolz es wieder als Finisher auf diesem Rang ins Ziel geschafft zu haben. Die ganze Woche fuhren wir einen einzigen Platten ein, dies spricht für unsere Bikes und unsere Fahrweise. Es war wieder ein geniales Rennen auf den tollsten Trails und in einer super Gemeinschaft. Mit diesem Rennen schliesse ich meine Rennsaison sehr erfreulich ab. Besten Dank an alle die uns unterstützt haben. Die Erlebnisse und Emotionen werden uns noch lange begleiten. Ride on- Benno

Schreibe einen Kommentar

OBEN